WENN SIZILIEN ENOSHIMA GLEICHT

Intensive Monate der Olympia-Vorbereitung liegen hinter Thomas Zajac und Barbara Matz. Die beiden Nacra-17-Asse waren seit November – ausgenommen einer kurzen „Babypause“ – durchgehend unterwegs. Sizilien, Sardinien und wieder Sizilien waren die Trainingsstandorte der zweifachen Sieger der Kieler Woche. Bis zuletzt trainierten sie vor Marina di Ragusa.

Der finale Trainingsblock wurde zunächst zur Materialselektion genutzt. „Wir haben die letzten Tage intensiv Großsegel, Gennaker und Foils getestet. Wir haben drei Sets definiert, die wir nach Japan mitnehmen werden. Zwei sehr gute und eines als Reserve“, gibt Thomas Zajac Einblicke in die komplex technische Komponente dieser Sportart. Zudem kam das Antreten bei Trainingsrennen nicht zu kurz, berichtet seine Segelpartnerin Barbara Matz: „Für uns war es wichtig im Racing-Modus zu bleiben. Bei einer Regatta geht es nicht nur um Geschwindigkeit, da gehört viel mehr dazu – und das haben wir hier immer wieder gefestigt.“ Einen Feinschliff nahm das Duo mit Roman Hagara vor. „Da sind wir sehr ins Detail gegangen. Manövertraining und Kommunikation am Boot standen hier im Fokus“, verrät Zajac, der die Zusammenarbeit mit dem zweifachen Olympia-Goldmedaillengewinner als „großen Benefit“ bezeichnet.

Bis zuletzt Training mit Medaillen-Favoriten
Trainiert wurde bis zuletzt mit einigen der besten Boote der Welt. Argentinien, Großbritannien und Italien segelten Seite an Seite mit dem rot-weiß-roten Olympia-Boot. Dennoch bleibt für die Spiele ein großes Fragezeichen: „Normalerweise segeln wir vor Großereignissen andere Events, um einen Vergleich zu haben. Wir wissen nicht, wie wir gearbeitet haben. Es kann sein, dass wir nach Japan kommen und gleich sehen, dass wir keine Chance haben – es kann aber auch umgekehrt sein. Aber: Wir wissen, dass wir alle schon geschlagen haben und dass es ihnen genauso geht“, sagt der Wiener.

Die letzten Monate „flogen“ Thomas Zajac und Barbara Matz vor Sizilien mit ihrem Nacra17, jetzt gibt es einen kurzen Zwischenstopp in der Heimat, dann nach Japan zur unmittelbaren Olympiavorbereitung. (Foto: Tobias Stoerkle)

Andere Vorbereitung als auf Rio
Die Vorbereitungen auf Tokio laufen komplett anders ab als jene auf Rio vor fünf Jahren: „Damals waren wir schon den gesamten Winter über im Revier, sind dann drei Monate vorher bereits hingeflogen und immer nur kurz heimgependelt“, berichtet der Bronzemedaillengewinner von 2016. Im japanischen Olympia-Revier trainierte das Duo zuletzt im September 2019. Bis zum ersten Olympiastart am 28. Juli werden es noch maximal neun Segeltage sein – ein enger, straffer Zeitplan, um das vor gut einem halben Jahr verschickte Material flott zu machen. „Da haben wir ein wenig gepokert und gehofft, dass wir per Ausnahmegenehmigung vielleicht doch früher anreisen dürfen. Deswegen haben wir unser bestes Material bereits früh nach Tokio verschifft und zuletzt nicht mehr zur Verfügung gehabt“, gesteht Thomas Zajac und ergänzt: „Aber wir kennen das Material, sind es zuletzt bei der Weltmeisterschaft gefahren. Es wird zwar ein wenig dauern, aber wir werden das perfekte Set-Up finden.“

Körperliche Umstellung und Medientermine in dichtem Trainingsprogramm integriert
Thomas Zajac und Barbara Matz werden am 9. Juli nach Tokio aufbrechen. „Bis dahin gilt es den Körper bereits gut auf Tokio umzustellen. Wir müssen einerseits Ruhe finden und uns bereits auf die neue Zeitzone sowie die Temperartur in Tokio einstellen. Neben der langsamen Änderung des Biorhythmus haben wir bereits mit der Hitzeadaption gestartet. Andererseits werden wir noch ein paar Medientermine absolvieren. All diese Dinge sind zu berücksichtigen und in unserem intensiven Trainingsplan integriert“, berichtet die Vorschoterin. Nach Ankunft in Enoshima soll gleich mit dem Bootsaufbau begonnen werden. Für 15. Juli ist der erste Segeltag geplant.

Titelfoto: Tobias Stoerkle

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